28.04.-01.05.2017 Lainsitz - von Suchdol bis Frahelz

Die Lainsitz, in Tschechien Lužnice, ist ein Nebenfluss der Moldau in Österreich und Tschechien. Die Gesamtlänge beträgt etwa 200 Kilometer, davon 43 in Österreich. Die deutsche Bezeichnung war bis 1918 in Böhmen jedoch nicht Lainsitz, sondern Luschnitz. Die Lainsitz durchfließt den nördlich von Třeboň liegenden größten Teich Mitteleuropas (Rosenberger Teich, 489 ha). Zum Schutz dieses Teiches vor Fluten wurde die Nová řeka (der neue Fluss) errichtet, ein Kanal, der Lainsitzwasser in die Nežárka leitet. Der alte Lauf ist landschaftlich schöner, auch wenn in dem Au-ähnlichen Verlauf immer wieder mit Hindernissen durch Bäume und Sträucher zu rechnen ist.

Pegelstand Majdalena:

Freitag 28.04. Pegel 159cm bzw. 5.62m³/s

Samstag 29.04. Pegel 197cm bzw. 12.00m³/s

Sonntag 30.04. Pegel 211cm bzw. 14.80m³/s

 

Etappe 28.04. ca. 11,6km von Suchdol nad Lužnicí bis Majdalena

Etappe 29.04. ca. 15,8km von Majdalena bis Stará Hlína

Etappe 30.04. ca. 13,8km von Stará Hlína bis Frahelž

28.04.2017

Nach einer winterlichen Anreise über Freistadt und dem Waldviertel erreichten wir Mittags unseren Ausgangspunkt der Tour - Suchdol. Hier befindet sich direkt neben der Brücke über die Lainsitz ein Campingplatz inklusive Bootsverleih allerdings war zu dieser Jahreszeit beides noch geschlossen. Hier erhält man ansonsten alles von Booten, Paddel, Schwimmwesten und wasserfeste Tonnen.

Wer mehr als nur einen Wochenendausflug plant, sollte sein eigenes Boot mitbringen, denn die Leihboote haben relativ wenig Freibord bei großer Zuladung und liegen auch kippelig im Wasser. Alternativ könnte man auch die Autos für jede Etappe zum Endpunkt umstellen und braucht somit nur das Tagesgepäck mitführen.

Am Einstiegspunkt trafen wir auch auf eine Gruppe wetterfester Prager, die diese Tour schon seit Jahren am 1. Mai unternehmen. Sie sollten wir noch öfters auf unserer Tour treffen.

 

Der Flussverlauf ist in Suchdol noch gerade reguliert, ändert sich aber nach kurzer Fahrzeit in einen natürlichen, stark mäandernden Bach. Teilweise finden sich Baumstümpfe und Piloten im Wasser, auf die aufzupassen ist, vor allem im Sommer, wenn die Wassertiefe relativ gering ist. Eventuelle Felsen sind im moorigen, dunkelbraunen Wasser nicht immer gleich zu erkennen. Bei unserem Wasserstand war mehr mit tief hängenden Ästen und umgestürzten Bäumen durch den Schneefall der letzten Tage aufzupassen.

Landschaftlich ist der Fluss sehr reizvoll mit Wiesen, wechselnden Uferböschungen und vor allem der üppige Mischwald mit rießigen Weiden und Eichen.

Endpunkt dieser Tagesetappe ist der Campingplatz in Majdalena. Hier gibt es eine große Zeltwiese mit Feuerstellen und im Sommer auch Gastronomie mit kalten und warmen Gerichten. Sanitäranlagen mit Warmwasser sind ebenfalls vorhanden.

Jetzt hatte die Gastronomie aber noch nicht offiziell geöffnet, und so besuchten wir eine kleine Gaststätte an der Haupstraße, etwa 800m entfernt. Sie hatten zwar die Küche geschlossen, da diese gerade neu ausgemalt wurde, aber wir konnten uns zumindest bei einem guten Glas tschachischem Bier aufwärmen und unsere Kleidung trocknen. Am Abend ging der Regen dann zeitweise in Schneefall über, der aber immer weniger wurde.

29.04.2017

In der Nacht hörte der Niederschlag komplett auf und es begann aufzuklaren. Der Morgen empfing uns mit Minusgraden und Raureif. Die Sonne kam aber immer mehr zu Vorschein und wir warteten den Vormittag ab um unsere Sachen etwas aufzutrocknen.

In dieser Zeit kamen einige Wassersportler in Kajaks und Kanus vorbei, die mit Nummern versehen anscheinend an einer Regatta teilnahmen. Das Feld reichte von Wettbewerbsbooten bis hin zu Hobby-Paddlern.

Von Majdalena geht es heute weiter in einem Fluss, der sich in immer enger werdenden Schlingen durch eine auähnliche Landschaft schlängelt. Zum Teil wird die Lainsitz so schmal, dass man nur noch aufgefädelt hintereinander durch die engen Kurven kommt.  Hinter einer dieser Kurven fanden wir 2 Kanuten die an der Regatta teilnahmen und bei einem unterspülten Strauch gekentert waren. Peter half Ihnen, das verkeilte Kanu wieder in einem Stück zu bergen und sie konnten die Fahrt unverletzt mit Ihren Freunden fortsetzen. 

Kurz vor dem Wehr "Rozvodi" wird die Lainsitz wieder deutlich breiter und auch ruhiger. Hier teilt sich die Lainsitz - linkerhand geht der alte-ursprüngliche Flusslauf weiter - rechts wird der "neue Fluss", ein künstlich angelegtes Gerinne abgezweigt. 2016 folgten wir dem "Neuen Fluss" der Anfangs einen eher kanalartigen Charakter hat und von einem Radweg begleitet wird. Das Ufer wechselt hier zwischen Schilf, Wiesen, kleinen Teichflächen bis hin zu dichten Wäldern. Dieses Jahr stand der alte Lauf am Programm. Dieser Abschnitt ist eines der Highlights dieser Strecke, auch wenn er anspruchsvoller zu paddeln ist und einige Baumhindernisse bereit hält.

Da dieser Bereich unter Schutz steht ist der Mischwald von richtigen Baumriesen bewachsen und durch den hohen Wasserstand wurden auch die zahlreichen Altarme bewässert. Man hat somit das Gefühl, durch eine unberührte Au zu gleiten. Auch wenn die Landschaft einen dazu verleiten könnte hier wild zu campen ist aus 2 Gründen abzuraten.

1. Zahlt man hohe Strafen falls man erwischt wird und

2. ist mit den Wildschweinen auch nicht immer zu spaßen.

Wir sahen häufig Spuren der Wildschweine und 2 schwammen auch in kurzer Entfernung vor uns durch die Lainsitz, um danach mit lautem Gekrache im Unterholz zu verschwinden.

Das nächste offizielle "Kemp" war heute zu weit entfernt und soo schlugen wir unsere Zelte in unmittelbarer Nähe der Brücken bei Stárá Hlina auf. Am Abend ließen wir die Küche kalt und gingen in ein nahegelgenes Gasthaus, wo wir wieder auf die Prager Paddler trafen.

30.04.2017

Nach einer weiteren frostigen Nacht leuchtet am Morgen die Sonne vom kaum bewölkten Himmel. Nach einem guten Frühstück geht es bei der heutigen Etappe weiter zur Mündung der Lainsitz in den Rosenberg Weiher  der auch Südböhmisches Meer genannt wird. Die ursprüngliche Größe von 1.060 Hektar wurde bis auf derzeit 489 Hektar reduziert. Einerseits wird der Teich, der einer der größten in Mitteuropa ist durch die Ableitung des "neuen Flusses"" vor Flutwasser geschützt, andererseits ist der Teich selbst ein Hochwasserschutz.  Während des Hochwassers 2002 fasste er bis zu 75 Millionen Kubikmeter Wasser und breitete sich auf eine Fläche von 2.300 Hektar aus. Auf der Dammkrone, die mit vielen bis zu 400 Jahren alten Eichen bewachsen ist, befindet sich auch ein Imbiss wo es frisch gebackene Karpfenstücke zu kaufen gibt. Köstlich!!! Mmmm

 Im "Kemp Luznice" machten wir eine kurze Jausenpause, wo auch wieder 2 der Prager Kanuten trafen. Von Ihnen erhielten wir den Tipp, daß es in Frahelz einen Sportplatz gibt, wo es möglich ist zu campen. Auch Sie wollten dorthin und hofften, den Rest der Truppe dort wiederzufinden, da sie sich am Tag aus den Augen verlohren hatten. In Frahelz trafen auch wirklich alle zusammen und wir verbrachten einen gemeinsamen Abend im einzigen Lokal dieses kleinen Ortes.

Am 30.04. wir vielerorts in Tschechien die Walpurgisnacht gefeiert. Dazu werden Lagerfeuer entzündet und Puppen im Hexenkostüm verbrannt. Oder wie bei uns im Lokal laufen Kinder mit Ruß beschmierten Händen und Gesichtern herum und versuchen die Erwachsenen zu erwischen, um sie zu schwärzen. Ein Rießenspaß für die Kleinen!

01.05.2017

Nach einer etwas kürzeren Nacht wurde am Vormittag gefaulenzt, ehe ich zur Mittagszeit mit dem Zug zurück nach Suchdol fuhr um das Auto zu holen. An der Einstiegstelle zeigte sich, das der Wasserstand nochmals ordentlich gestiegen war.