Rogens Naturreservat - 2023 - Schweden

TÄNNÄS Schweden

Reisetagebuch:

01.09. Abfahrt Hallein

01.-02.09. Übernachtung nördlich von Hamburg

02.-03.09. Übernachtung bei Skagen

03.-04.09. Übernachtung Klarälven

04.09. Start Käringsjön

04.-12.09. Rogen NP

12.-13.09. Übernachtung Elvbrua

13.-14.09. Übernachtung Steinhole-Jotunheimen

 14.-15.09. Übernachtung Hällevadsholm Ställplatser Kolstorpsjön

Am 01.09. starteten Markus und ich zu einer über 2-wöchigen Reise mit einer Kanutour im Rogen Naturreservat in Mittelschweden. Schon auf der Reise gab es einiges zu sehen, wie junge Robben am Strand bei Skagen, ganz an der Nordspitze von Dänemark, wo Nord- und Ostsee aufeinandertreffen, Sanddünen an der Nordseeküste, die Schereninseln bei der Einfahrt zum Hafen in Göteborg, Rentiere auf und neben den Straßen in Schweden.

Am 04.09. kamen wir dann in Käringsjön, am Rande des Rogen Naturreservates an. In der Region hatten sie einen regenreichen Spätsommer und so gingen manche Seen bis an die Straße heran. Jetzt im September werden wir bereits mit herrlichen Herbstfarben begrüßt, obwohl sich die Temperatur noch immer zwischen 10-15 Grad Celsius bewegt. In Käringsjön gibt es einen Parkplatz gegen eine geringe Gebühr, die auch der Straßenerhaltung zugutekommt, was in dieser entlegenen Gegend eines ordentlichen Aufwands bedarf. Hier heißt es nun umpacken und unseren Ally Faltkanadier zusammenbauen, was nicht mal eine halbe Stunde gedauert hat. Dann trugen wir das Gepäck zum Bach, der in den Käringsjön mündet – glücklicherweise fand alles auch im Kanadier Platz – wenn auch knapp! 

Im Sommer und Herbst lässt sich das Naturschutzgebiet Rogen besonders gut mit dem Kanu erkunden. Es ist wunderbar, von Käringsjön aus in ein Labyrinth aus kleinen Gewässern vorzudringen oder am Ufer des Rogen entlang zu paddeln und all die Blöcke zu sehen, die einem das Vorwärtskommen an Land erschwert hätten. Aber ganz mühelos ist das Paddeln hier nicht! Die kleinen Seen sind nicht miteinander verbunden, und man muss zum Teil mehrere hundert Meter lange Umtragungen über Moränen bewältigen. Rogenmoränen sind Rücken aus Gesteinsschutt, die die eiszeitlichen Gletscher netzartig angeordnet zur Ablagerung gebracht haben. Zwischen den Rücken entstanden oft kleine Seen. Sie sind auf der Gebirgskarte als hübsches Mosaik aus blauen Flecken zu erkennen.

Auf unserer heutigen Etappe geht es bis zum Kallsjön, denn dort ist ein fixer Unterstand mit Feuerplatz in der Karte eingezeichnet – auf „Wilden“ Zeltplätzen ist im Naturreservat das offene Lagerfeuer verboten – apropos Karten, glücklicherweise haben wir ein tolle Karte von Heinz erhalten, die er in mühevoller Kleinstarbeit über Jahre zusammengetragen und selbst erstellt hat. Sehr detailgenau mit vielen Infos wie Camps, Paddelstrecken, Portage inkl. angegebener Länge… EIN GROSSES DANKE dafür! Der Unterstand am Kallsjön war leider belegt, wir fanden aber in derselben Bucht noch einen anderen schönen Platz mit ausreichend ebener Fläche für unsere beiden Zelte. Erstaunlich, dass mein 1996 gekauftes Hilleberg Nammatj-GT immer noch tadellos funktioniert.

05.09. Am heutigen Tag war ich leider gesundheitlich angeschlagen und wir beschlossen einen Pausentag einzulegen. Das Wetter war wechselnd bewölkt bei etwa 10 Grad aber eisigem Wind. Wir erkundeten ein wenig die Umgebung, gingen fotografieren, Beeren pflücken,… Auf dem kargen Moränenboden und in dem kalten, trockenen Klima dominieren einige wenige unempfindliche Pflanzen: Waldkiefer, Schwarze Krähenbeere, Preiselbeere und Blaubeere – und natürlich verschiedene Flechten und Moose. Die Fauna wirkt vielleicht artenarm, aber das Naturschutzgebiet ist für etliche bedrohte Arten von Bedeutung: Braunbär, Vielfraß und Fischotter sind einige der Tiere, die hier leben. Leichter zu sehen als diese scheuen Tiere sind Steinadler, Raufußbussard und Fischadler. Der Prachttaucher, dessen klagender Ruf in Sommernächten über die Seen schallt, ist einer der Charaktervögel des Gebietes. Vor dem Vogelzug im Herbst sammeln sich die Prachttaucher in großen Schwärmen auf dem Rogen.

Am Abend genossen wir unsere Tortellini und saßen danach gemütlich am Ufer, als auf der gegenüberliegenden Seeseite eine Gruppe Rentiere vorbei trottete.

06.09. Während der Nacht beruhigte sich das Wetter und wir hatten Windstille am folgenden Morgen. Unser Frühstücksmüsli wurde mit frischen Heidelbeeren verfeinert, der Schwarztee mit einem Zweig blühendem Erika und einem Stück kandiertem Ingwer tat meinem angeschlagenem Bauch merklich gut! Nach dem Zusammenpacken machten wir uns auf den Weg, es liegen einige kleinere Seen vor uns, die durch Felsmoränen getrennt sind, die noch aus der Eiszeit übrig geblieben sind. Diese Seen sind zum Teil auch nicht über das Grundwasser oder Bäche verbunden, wodurch sie teils unterschiedlichen pH-Wert und damit auch unterschiedliche Flora und Fauna haben können. Bei feuchtem Wetter ist auf den teils rutschigen Pfaden Vorsicht geboten. Die Inseln in den Seen haben oft das gleiche felsige Erscheinungsbild wie das Ufer dahinter, wodurch man oft erst wenn man in Bewegung ist merkt, dass es sich um eine vorgelagerte Insel handelt. Das macht die Navigation auf dem verzweigten Seen zu einer Herausforderung. Zusätzlich gibt es auf den umgebenden Erhebungen keine markanten Gipfel, was auch eine Kompasspeilung sehr ungenau macht. An einer Engstelle des Utthusjön hatten wir schon Zweifel an unserer Sehkraft, als ein paar Felsen sich plötzlich zu bewegen begannen. Als sich dann noch Äste auf den Steinen als Geweih herausstellten entpuppten sich die Felsen als eine Gruppe Rentiere. Vor unserer letzten Portage vom Öster Rödsjön zum Rogen versuchten wir unser Fischerglück und Max fing uns eine Forelle als Ergänzung zum Abendessen. Direkt am Ende der Portage am Ufer des Rogen ist ein Shelter mit einer Feuerstelle, wo wir auch unsere Zelte aufstellen konnten. Zur Forelle gab es am Abend dann Couscous mit rehydriertem Gemüse wie Paprika, Jungzwiebel, Bohnen, Champignon, Mais, Karotten und Zuccini. Am Abend nutzten wir noch die Möglichkeit eines Lagerfeuers, bevor wir uns dann in unsere Schlafsäcke verzogen.

07.09. Am Morgen trafen wir beim Zusammenpacken auf 2 weitere Kanuten aus Deutschland, die den Abend auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht verbrachten. Deren Kanu war etwa einen halben Meter über Süllrandkante beladen – sicher spannend, wenn man bei Wellen unterwegs ist. Wir versuchten am Ufer nochmals unser Fischerglück – leider erfolglos – danach ging es in Ufernähe am Ostufer des Rogen Richtung Südosten, bis wir nach ca.6,5 Kilometer an einem schönen Sandstrand anlangten. Beim Ablegen war es noch leicht windig, doch als wir aus der geschützten Bucht rauskamen waren die Wellen moderat und im Laufe des Nachmittags ließ der Wind auch immer weiter nach. Die Größe des Rogen sollte nicht unterschätzt werden, bei stärkerem Wind können sich ordentliche Wellen bilden und eine Weiterfahrt unmöglich machen. Bei uns klarte es am Abend immer weiter auf und der See lag wie ein Spiegel vor uns. Mit Blick Richtung Westen konnten wir sogar den kompletten Faemundsmarka Nationalpark auf norwegischer Seite überblicken und sah sogar den Flenskampen Gipfel am Westufer des Faemund-Sees – Luftlinie 32 Kilometer entfernt. Das sonnige und windstille Wetter lud am Abend sogar noch auf einen Badetag ein! Als Draufgabe zu diesem Traumabend gab es als Abendessen Tortillas gefüllt mit Chili-con-carne, Gemüsemix, Avocado und Käse. Bei diesem stabilen Wetter verzichteten wir darauf unsere Zelte aufzubauen und schliefen unter unseren Tarps.

08.09. Wir waren nicht motiviert, dieses Traumplatzerl zu verlassen und legten einen Pausentag ein. Nach gemütlichem Frühstück unternahmen wir eine Wanderung in der Umgebung mit den Fischerruten im Gepäck. Wir genossen den Tag in vollen Zügen und saugten die Farben, Geräusche und die unglaubliche Aussicht mit allen Sinnen auf. Man glaubt gar nicht, wie glücklich es einen machen kann, einfach nur dazusitzen, die Sonne im Gesicht und den Wind auf der Haut zu spüren, den würzigen Duft des Herbstes wahrzunehmen und zu beobachten, wie Ameisen ihrem geschäftigen Treiben nachgehen, während Deine Ohren dem leisen Rauschen der Wellen und den Rufen der Vögel lauschen.

09.09. Diesen Morgen werden wir von leichtem Tröpfeln geweckt – allerdings nicht vom Regen, sondern vom dichten Nebel, der in den Kiefern hängenbleibt und zu Boden tropft. Nach einem gemütlichen Frühstück mit Müsli und frischen Heidelbeeren und heißem Tee hieß es wieder mal zusammenpacken und weiterpaddeln. Die Wasserfläche des Rogen ging nahtlos in das weiße Nichts des Nebels über – ein Querung des Sees ohne Kompasspeilung wäre jetzt unmöglich. Wir blieben in Sichtweite des Ufers und paddelten ca. 3,5 Kilometer Südöstlich und gegen die Strömung den Rogsbodarna hinauf, bis es nicht mehr weiterging. Der Rogsbodarna – die Verbindung von Stor-Tandsjön und Rogen ist ca. 3,3 Kilometer lang und mit 4 Portagen zwischen 40 und 170 Metern unterbrochen. Zum Teil sieht man beim Einbooten bereits zum Ausstieg zur nächsten Portage. Angekommen am Stor-Tandsjön hat sich der Nebel bereits aufgelöst und es war aufgelockert bewölkt mit kräftigem Wind aus Nord-West, die Ankündigung eines Wetterumschwungs in den nächsten Tagen. Nach etwa 3 Kilometern fanden wir dann auch einen Zeltplatz im Lee einer Insel, wo wir dem kalten Wind nicht komplett ausgesetzt waren – das Aufspannen des Tarps als Windschutz erwies sich leider als unmöglich. Am Abend legte sich der Wind und wir genossen die Abendstimmung am spiegelglatten See.

10.09. Wir legten einen weiteren Pausentag ein, da wir von endgültigen Ausstieg zum Parkplatz nur mehr eine Tagesetappe entfernt waren und noch die Ruhe des Nationalparks genießen wollten. Wir vertrieben uns den Tag mit Teekochen, Beeren sammeln und einkochen, und die Ruhe genießen. Am Nachmittag saß ich gerade im weichen Moos, mit dem Rücken an einen sonnenbeschienenen Felsen gelehnt und den Hut tief ins Gesicht gezogen. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als wäre mir im Genick etwas über die Hutkrempe gelaufen. Ich dreht mich um und entdeckte in Kopfhöhe einen Spalt im Felsen. Mit dem filmbereiten Telefon im Anschlag hielt ich mich ruhig und wartete – es dauerte nicht lange und ein Mauswiesel im braunen Sommerfell mit weißer Brust blickte neugierig aus der Spalte um gleich darauf wieder darin zu verschwinden.

11.09. Das Wetter hat sich weiter verschlechtert und wir haben heute komplett geschlossene Wolkendecke. Nach einer Portage von etwa 750 Metern erreichen wir unseren letzten See – Öster Vigarna – hier erreichte uns dann auch endgültig der erste Regen. Ca. 2 Kilometer vor dem Ende das Sees fanden wir noch einen Platz für unsere Zelte und eine flache Möglichkeit hinter einer Kuppe, um das Tarp trotz Wind als Regenschutz aufzuspannen. Nach Abklärung von Satellitenbild und Wetterbericht sahen wir, daß von Norwegen kommend eine Front Richtung Osten über uns ziehen wird. Daher beschlossen wir, morgen die Tour am Vormittag zu beenden und dann Richtung Norwegen – somit der Front entgegen zu fahren. Das ist zwar früher als gedacht, möchten dafür die Heimfahrt durch Norwegen mehr genießen und ein paar schöne Seitenstraßen zu benutzen.

12.09. Mit einer letzten Portage von 800 Metern erreichten wir den Parkplatz Käringsjövallen. Während Max die 5,9 Kilometer nach Käringsjön ging, um das Auto zu holen, ging ich die Portage noch weitere 3x um die verbleibenden Packstücke und das Boot zu holen. Nach dem Verladen ging es durch den Regen bis zur Elvbrua – südlich des Femundsees. Hier war es mit dem Regen bereits wieder vorbei und wir hatten unsere erste Frostnacht.

13.09. Heute ging es auf verschlungenen Pfaden durch grüne, fruchtbare Täler, über karge Fjällebenen, vorbei an unzähligen Wasserfällen. Traumhafte Landschaften rund um den Rondane NP auf dem Tindevegen über 1400 Meter Höhe bis zum Steinhole Fjellcamp im Jotunheimen NP.

14.09. Aufbruch im Steinhole Fjellcamp – rauf in die Berge des Jotunheimen NP –und wieder runter nach Øvre Årdal auf Meeresniveau – an Oslo vorbei bis Ställplatser Kolstorpsjön in Hällevadsholm. Von hier sind es dann nur mehr 120 Kilometer bis zur Fähre in Göteborg.

15.09. Nachdem wir die ganze Nacht Dauerregen hatten und es auch nicht so schnell aufhören sollte, nutzten wir den Vormittag um unsere Sachen aufzutrocknen. Gegen Abend ging es dann nach Göteborg wo die Fähre um Mitternacht nach Frederikshavn ablegte.

Am 16.09. gegen 03:30 starteten wir dann in Frederikshavn und fuhren am gleichen Tag über Hamburg, Berlin, München bis nach Hallein.

Eine traumhafte Tour, die ich auch gerne wiederholen würde!